Modul 2: Trainingsplanung & Belastungssteuerung

Trainingstagebuch: Was du erfassen solltest und wie du es auswertest

6 Minuten Einsteiger Level A08 Drill

Trainingstagebuch: Was du erfassen solltest und wie du es auswertest

Die meisten Menschen haben ein GPS-Geraet, das jede Einheit automatisch speichert. Trotzdem fehlt vielen Laeuferinnen und Laeuferinnen ein entscheidender Baustein: das reflektierte Tagebuch. Denn Strava zeichnet Kilometer, Pace und Herzfrequenz auf – aber nicht wie du dich gefuehlt hast, wie dein Schlaf war, ob die Beine schwer oder federleicht waren. Diese qualitativen Informationen sind Gold fuer die Trainingssteuerung. Wer ein Tainingstagebuch fuehrt – egal ob digital oder auf Papier – erkennt Muster, die reine Daten nicht zeigen. Verletzungen kuendigen sich meistens an, bevor sie auftreten. Uebertraining zeigt sich im Tagebuch oft Wochen bevor es klinisch offensichtlich wird. Und Fortschritt wird sichtbarer, wenn man ihn schwarz auf weiss sieht.

Was du minimal erfassen solltest

Ein gutes Trainingstagebuch muss nicht zeitaufwaendig sein. Die wichtigsten Eintraege dauern zwei bis drei Minuten:

Die sechs Pflichtfelder:

  1. Datum und Einheit: Was hast du gemacht? (10 km Easy Run, 6x800m Intervalle, 18 km Long Run)
  2. Distanz und Zeit: Absolute Zahlen, synchronisiert aus der Uhr oder App.
  3. Durchschnittliche Pace und Herzfrequenz: Die Grundmetriken.
  4. RPE (1–10): Wie anstrengend war die Einheit subjektiv? Diese Zahl ist unverzichtbar.
  5. Schlafqualitaet (1–5): Wie gut hast du die Nacht zuvor geschlafen? Nur eine Zahl genuegt.
  6. Stimmung und Energie (1–5): Wie bist du in die Einheit reingegangen? Motiviert, matt, gleichgueltig?

Optional, aber sehr wertvoll: kurze Notizen. „Beine schwer von Donnerstag", „perfekter Lauf, koenn mich ewig unterhalten", „linke Achillessehne zieht nach km 8". Diese Beobachtungen koennen Wochen spaeter entscheidend sein.

Warum RPE, Schlaf und Stimmung? Weil die Kombination dieser weichen Faktoren mit den harten Daten (Pace, HF) dir zeigt, ob eine Einheit repraesentativ war oder ein Ausreisser. Ein 5:10-Lauf mit RPE 8 und schlechtem Schlaf ist eine ganz andere Aussage als ein 5:10-Lauf mit RPE 5 und Topschlaf.

Apps vs. Papier: Was funktioniert besser?

Es gibt zwei Lager, und beide haben Recht.

Digitale Tools:

  • Strava ist die beliebteste Lauf-App und zeichnet automatisch alle GPS-Daten auf. Die Eintraege sind mit der Community teilbar, was Motivation foerdert. Der Kommentar- oder Notizbereich eignet sich fuer kurze qualitative Eintrage.
  • Garmin Connect / Polar Flow / Coros App: Geraetespezifische Apps mit Herzfrequenzzonen, Trainingsbelastungsanalysen, HRV-Tracking und Erholungsempfehlungen.
  • TrainingPeaks: Das professionellste Tool, oft von Coaches verwendet. Bietet TSS (Training Stress Score), CTL (Chronic Training Load), ATL und Form – eine vollstaendige Trainingsanalyse. Kostenlos in der Basisversion.
  • Notion oder Apple Notes: Schlicht, flexibel, schnell. Viele Laeufer schreiben einen kurzen Eintrag per Spracheingabe direkt nach dem Lauf.

Papier-Tagebuch: Ein Heft mit einem Eintrag pro Tag. Wissenschaftlich gezeigt, dass handschriftliches Notieren das Gedaechtnis und die Reflexion staerkt. Manche bevorzugen das bewusste Abschalten vom Bildschirm. Ein Nachteil: keine automatische Datensynchronisation, kein einfaches Auswerten von Wochen-Trends.

Empfehlung: Kombiniere beides. Strava oder Garmin fuer automatische Datensynchronisation, kurze qualitative Notizen in einem einfachen Notizbuch oder App.

Wie du dein Tagebuch auswertest

Das Sammeln von Daten hat nur Wert, wenn man sie regelmaessig anschaut. Eine Wochenauswertung von 10 Minuten am Sonntag oder Montag gibt dir wertvolle Einblicke:

Woche im Rueckblick:

  • Gesamtkilometer diese Woche vs. Vorwoche? Steigerung unter 10%?
  • Wie war das RPE im Schnitt? Zu hoch (>7 im Durchschnitt) deutet auf zu viel Intensitaet hin.
  • Gab es Tage mit auffaellig hoher Herzfrequenz bei normalem Tempo?
  • Schlaf und Stimmung unter dem Durchschnitt? Erholung pruefen.

Monatsanalyse:

  • Verletzungszeichen: Gibt es wiederholte Erwaehnung von Schmerzen an derselben Stelle?
  • Trend bei Pace und RPE: Gleiche Pace mit sinkendem RPE = Fortschritt.
  • Schuhkilometer: Zeit fuer einen Wechsel?

Warnzeichen im Tagebuch:

  • RPE steigt bei gleichbleibender oder sinkender Pace ueber mehrere Wochen
  • Schlafqualitaet sinkt ohne klaren Grund
  • Ermuedungsgefuehl haelt sich mehr als 5 Tage
  • Motivation hat drei oder mehr Tage den Keller
  • Gleiche Schmerzen werden dreimal oder oefters erwaehnt

Praktische Tipps fuer deinen naechsten Lauf

  • Starte sofort nach dem heutigen Lauf: Schreibe einen kurzen Eintrag noch vor dem Duschen. Das kostet 2 Minuten und baut die Gewohnheit auf.
  • Nutze die CR-Struktur: Mittwoch, Donnerstag, Sonntag sind fest – nutze diese drei Tage als Pflichteintraege.
  • Setze dir eine Wochenauswertungszeit: 10 Minuten jeden Sonntag, um Muster zu erkennen.
  • Halte es einfach: Perfektes Tagebuch ist das Tagebuch, das du wirklich fuehrst – nicht das komplexeste.
  • Zeig es einem Coach: Wer Coaching bei den CR bekommt, gibt dem Coach Zugang zu echten Daten, nicht nur Vermutungen.

Fazit

Ein Trainingstagebuch ist das guenstigste Trainingstool, das es gibt. Sechs kurze Eintraege nach jeder Einheit – Distanz, Pace, HF, RPE, Schlaf, Stimmung – erzeugen ueber Wochen und Monate ein Bild, das keine einzelne Smartwatch-Metrik liefern kann. Muster werden sichtbar, Verletzungen kuendigen sich an, Fortschritt wird beweisbar. Fang heute an.

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