Modul 5: Ernährung im Sport

Grundlagen der Läufer-Ernährung: Kohlenhydrate, Fette, Proteine erklärt

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Grundlagen der Läufer-Ernährung: Kohlenhydrate, Fette, Proteine erklärt

Essen ist Treibstoff – aber nicht jeder Treibstoff funktioniert gleich gut. Wer regelmäßig läuft, ob beim Campus-Runners-Donnerstagstraining oder im Solo-Morgenlauf durch den Englischen Garten, stellt schnell fest, dass die Ernährung einen riesigen Einfluss auf Energie, Erholung und Leistung hat. Trotzdem herrscht rund um das Thema Makronährstoffe viel Verwirrung: Sind Kohlenhydrate jetzt gut oder schlecht? Brauche ich wirklich so viel Protein? Und was ist eigentlich mit Fett? In diesem Artikel räumen wir mit den wichtigsten Mythen auf und erklären, wie die drei Makronährstoffe für Läufer konkret zusammenspielen – sachlich, evidenzbasiert und ohne Dogmatismus.

Kohlenhydrate: Der Haupt-Energielieferant beim Laufen

Kohlenhydrate liefern 4 Kilokalorien pro Gramm und sind beim Laufen – insbesondere bei mittlerer bis hoher Intensität – der bevorzugte Brennstoff des Körpers. Der Grund ist physiologisch: Glukose lässt sich schneller zu ATP (dem eigentlichen Zellbrennstoff) umwandeln als Fett. Beim intensiven Intervalltraining oder im Wettkampftempo läuft der Stoffwechsel quasi ausschließlich auf Kohlenhydratbasis.

Für Läufer gilt in der Sporternährungswissenschaft eine empfohlene Zufuhr von 50 bis 60 Prozent der Gesamtenergie aus Kohlenhydraten. Bei einem Trainingsumfang von vier bis fünf Stunden pro Woche – was bei vielen Campus-Runners-Mitgliedern realistisch ist – bedeutet das je nach Körpergröße und Intensität eine tägliche Kohlenhydratmenge von etwa 300 bis 500 Gramm. Gute Quellen sind Haferflocken, Vollkornbrot, Pasta, Reis, Kartoffeln und Obst. Entscheidend ist: Keine Angst vor Kohlenhydraten. Wer zu wenig davon isst und trotzdem intensiv trainiert, raubt dem Körper buchstäblich den Sprit.

Fette: Wichtig, aber nicht das Wichtigste beim Laufen

Fette liefern mit 9 Kilokalorien pro Gramm mehr als doppelt so viel Energie wie Kohlenhydrate – klingen also nach dem besseren Treibstoff. Der Haken: Die Verstoffwechselung ist langsamer und für intensive Belastungen ungeeignet. Bei niedriger bis moderater Intensität (unter 60–65 % der maximalen Herzfrequenz) deckt der Körper jedoch einen Großteil seines Energiebedarfs durch Fettverbrennung. Langstreckenläufe im langsamen Grundlagenbereich trainieren deshalb auch die sogenannte Fettoxidation.

Für Läufer empfiehlt die Sporternährung einen Fettanteil von 20 bis 30 Prozent der Gesamtenergiezufuhr. Dabei sollten vor allem ungesättigte Fettsäuren im Vordergrund stehen: Olivenöl, Nüsse, Avocados, Lachs. Transfette und stark verarbeitete Fette hingegen fördern Entzündungsreaktionen – genau das Gegenteil von dem, was ein Läufer nach einer harten Einheit braucht.

Protein: Reparatur und Aufbau nach der Belastung

Protein liefert ebenfalls 4 Kilokalorien pro Gramm und ist in der öffentlichen Diskussion oft primär mit Kraftsport verbunden. Dabei ist es für Läufer mindestens genauso relevant: Jede Laufeinheit verursacht mikroskopische Muskelschäden, die der Körper reparieren und anpassen muss – und dafür braucht er Aminosäuren aus Proteinen.

Die aktuelle Forschung empfiehlt für Ausdauersportler eine Proteinzufuhr von 1,4 bis 1,8 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht täglich. Für einen 70-Kilogramm-Läufer bedeutet das etwa 98 bis 126 Gramm Protein pro Tag – deutlich mehr als die allgemeine Empfehlung für Nicht-Sportler (0,8 g/kg). Als Anteil an der Gesamtenergie entspricht das 15 bis 20 Prozent. Gute Proteinquellen für Läufer sind Quark, Eier, Hülsenfrüchte, mageres Fleisch, Fisch und Milchprodukte.

Gesamtenergiezufuhr: Mehr ist an Trainingstagen sinnvoll

Ein Fehler, den viele Laufeinsteiger machen: Sie vergessen, ihre Gesamtenergiezufuhr an Trainingstagen anzupassen. An intensiven Einheiten wie dem Campus-Runners-Donnerstags-Intervalltraining verbrennt ein durchschnittlicher Läufer 400 bis 700 Kilokalorien zusätzlich. Diese Energie muss rein, sonst leidet die Erholung. Das Konzept der Energieverfügbarkeit ist hier zentral: Es beschreibt, wie viel Energie dem Körper nach dem Training noch für alle anderen Körperfunktionen verbleibt. Fällt diese unter 30 Kilokalorien pro Kilogramm fettfreier Körpermasse täglich, spricht man von RED-S (Relative Energy Deficiency in Sports) – einem Zustand, der langfristig Hormonsystem, Knochen und Immunsystem schädigt. Mehr Körpergewicht und weniger Leistung sind die paradoxe Folge von zu wenig essen.

Praktische Tipps

  • Berechne deinen groben Tagesbedarf: Grundumsatz (ca. 30–35 kcal/kg Körpergewicht) plus Kalorienverbrauch durch Training.
  • Strebe an Trainingstagen eine Makronährstoffverteilung von 55 % KH / 25 % Fett / 20 % Protein an.
  • Iss keine strengen Low-Carb-Diäten, solange du intensiv trainierst – das schadet mehr als es nützt.
  • Verteile Protein auf 3–4 Mahlzeiten täglich (je 20–30g) für optimale Aufnahmerate.
  • Verwende einfache Lebensmittel: Haferflocken, Eier, Reis, Hülsenfrüchte, Jogurt – günstig, nährstoffreich, alltagstauglich.

Fazit

Die drei Makronährstoffe erfüllen für Läufer unterschiedliche, aber gleich wichtige Funktionen: Kohlenhydrate liefern den schnellen Sprit, Fette versorgen bei langen ruhigen Läufen, und Proteine reparieren das Muskelgewebe nach der Belastung. Wer die empfohlene Verteilung kennt und seine Gesamtenergiezufuhr an Trainingstage anpasst, legt die beste ernährungswissenschaftliche Grundlage für Leistungssteigerung und Gesundheit – ohne teure Supplements oder komplizierte Diäten.

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